Ruinierte Lebensziele

Ruinierte Lebensziele

Ruinierte Lebensziele werden, wenn überhaupt, in der Öffentlichkeit nur als Nebenerscheinung von Machtmissbrauch in Sportsystemen wahrgenommen. Dabei sind die geplatzten Träume von der Sportkarriere für die Betroffenen oft noch traumatischer als Gewalt und sexuelle Übergriffe.

Totale Institution Spitzensport

Spitzensport weist starke Parallelen mit totalen Institutionen auf, wie in Kinder- und Altenheimen, Klöstern, Gefängnissen oder bei der Besatzung von Schiffen. Sukzessive vereinnahmende Entwicklungen im Verlauf der sportlichen Laufbahn erfahren auch Athleten, die von frühester Kindheit in den Leistungssport eingebunden sind. Am erzwungenen Ende der Sportkarriere stehen viele AthletInnen auch vor dem Verlust ihres sozialen Netzwerks, mit über viele Jahre aufgebauten und gepflegten Beziehungen.

Isoliert im Leistungssport

Das ständige Training hatte negative Auswirkungen auf meine frühe Jugend. Ich hatte nie die Gelegenheit, echte Freundschaften zu schließen. Die engsten Bindungen hatte ich zu anderen Eiskunstläufern, meiner direkten Konkurrenz. In einem Sport, der so sehr von fanatischen Eislaufmamas, erfolgsorientierten Trainern und manipulierten Kindern dominiert wird, sind echte Freundschaften einfach nicht möglich. Man kann nicht wirklich über seine Gefühle und Sorgen sprechen, da es immer über die Kinder an die Eltern und damit an die Trainer geht. Im Normalfall fühlt und grübelt man aber eh nicht viel, weil das gesamte Denken von klein auf so sehr auf den Sport gedrillt wird, dass nicht anderes als der Erfolg zählt.

Angst, Disziplin und Gehirnwäsche: Ein Sadist sollte mich zur Eisprinzessin machen. Nachlesen auf VICE SPORTS

Reden und Verstehen

Kein Einzelfall und trotzdem ist Jede(r) auf ihre/seine ganz individuelle Art betroffen. Wut, Trauer, Ohnmacht und das Gefühl darüber reden zu wollen. Mit Menschen die das verstehen können, weil sie selbst durch Sportsysteme gelitten haben.

#WeTogether Forum für Betroffene

Unser Forum wird gerade auf einer professionell verschlüsselten Internet-Adresse eingerichtet. Betroffene können sich schon jetzt anmelden. Alle eingehenden Anmeldungen werden von uns persönlich geprüft und manuell zum nicht öffentlich sichtbaren Forum hinzugefügt.

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Studie sexualisierte Gewalt im Sport verzögert

Studie sexualisierte Gewalt im Sport

Wo bleibt die Studie über sexualisierte Gewalt im Sport?

Der ehemalige Sportminister Hans Peter Doskozil wollte in den letzten Tagen seiner Amtszeit noch Akzente im Kampf gegen sexualisierte Gewalt im Sport setzen. In einem Interview kündigte er an eine Studie zu beauftragen. Untersucht soll werden, wie weit verbreitet sexualisierte Gewalt im österreichischen Sport ist. Während der Amtszeit von Doskozil wurde entgegen der Ankündigung keine Erstellung einer Studie in Auftrag gegeben.

Keine Zahlen in Österreich

In Österreich fehlen jegliche Zahlen zu Missbrauchsfällen im Sport. In Deutschland untersuchten die Sporthochschule Köln und das Universitätsklinikum Ulm im Projekt „Safe Sport“ Häufigkeit und Formen von sexualisierter Gewalt im Wettkampfsport. Mit der Prävention betraute das Sportministerium zwar den Verein „100% Sport“. Eine Studie wurde auch dort angekündigt. Die Umsetzung wurde jedoch nie beauftragt.

Politische Hürden

Rosa Diketmüller leitet die Arbeitsgruppe „Sexualisierte Gewalt“. Diketmüller ist Assistenzprofessorin am Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport der Universität Wien und auch Partnerin des EU-Projekts Voice, bei dem Erfahrungsberichte von Opfern gesammelt werden, um Entscheidungsträger im Sport zu sensibilisieren. Die Strukturen und ExpertInnen für einen Forschungsauftrag sind vorhanden. Es scheitert an politischen Hürden.

#WeTogether für rasche Umsetzung

Die wissenschaftliche Erhebung und Auswertung von Zahlen, Fakten und Zusammenhängen ist für Präventionsarbeit in mehrfacher Hinsicht unerlässlich. Nicht zuletzt um die Notwendigkeit für die rasche Umsetzung von gezielten Massnahmen in der Öffentlichkeit und bei Verbandsfunktionären deutlich zu machen. #WeTogether wird alle Möglichkeiten wahrnehmen um die Zuständigen in der Sportpolitik zu überzeugen, dass der rasche Auftrag eine Studie zu erstellen unumgänglich ist.